Christoph Korn

Series Invisible – Christoph Korn & Lasse-Marc Riek

ENTWURf: Andreas Gnass, Brita Wiesbach Gnass

KONZEPT: Christoph Korn und Lasse-Marc Riek

Jahr: 2007

BESTELLUNG: gruenrekorder.de

Series Invisible – Christoph Korn & Lasse-Marc Riek
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Letzte Stücke

Entwurf: Andreas Gnass

Jahr: 2006

ERSCHIENEN BEI: Grob

Letzte Stücke
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Die vorliegende Aufnahme dokumentiert den Solo-Auftritt von Wolfgang Stryi beim Frankfurter pol-Festival im Jahre 2000. Es war eines jener Ereignisse, in denen seine spezielle Begabung, musikalische Zeit zu ge­stal­ten und ein Publikum auf seine riskanten und ungewissen Klangwanderungen mitzunehmen, besonders schön zur Geltung kam. Auch wer nicht dabei war und auf die Reproduktion angewiesen ist, kann den Prozess nachvollziehen: Stryi fängt schon an zu spielen, während das Publikum hereinkommt. Und man kann sehr schön hören, wie er durch die Arbeit mit der Kontrabassklarinette die anfängliche Unruhe im Saal allmählich in gebannte Aufmerksamkeit verwandelt. Irgendwann scheinen Spieler und Publikum gemeinsam auf der Reise zu sein, um ungekannte Pfade in den vielfältigen Klanglandschaften des Instrumentes zu entdecken. Durch seine doppelte Herkunft aus der streng notierten Neuen Musik einerseits und der Jazz-orientierten Szene der improvisierten Musik andererseits bewegen sich Stryis Klangforschungen in einem ganz eigenständigen, charakteristischen Grenzbereich, der ästhetische Prämissen aus beiden Szenen synthetisiert: Von Anton Webern und den Weiter­vermittlern seiner Ästhetik nach dem zweiten Weltkrieg stammen die gedankliche Strenge, der Verzicht auf alles „Geschwätzige“, die klangliche Ökonomie und der „antiromantische“ Impuls, von John Coltrane, Anthony Braxton und ihren Geistesverwandten der Drang zur Freiheit, zum Nicht-Vorherbestimmten, zur In-Frage-Stellung der eigenen Gewohnheiten in jedem Moment. Die scheinbaren Nachteile der Kontrabassklarinette – des größten und „plumpsten“ Mitglieds der Klarinettenfamilie – werden bei Wolfgang Stryi zu unverzichtbaren Teilen eines ganz eigenen Klangkosmos um­funktioniert: Die Klappengeräusche, die Atem- und Anblasgeräusche, die reichen Obertonspektren der tiefen Grundtöne, Flatterzunge, ins Instrument hinein gesungene Töne und perkussive slap-tongues werden nicht um des schönen Tones Willen vermieden, sondern als eigene, gültige Klangebenen immer wieder herausgearbeitet und zueinander in Beziehung gesetzt. Stryis Musik ist immer am Kippen, nie wird ein stabiler Zustand erreicht, in dem man schwelgen oder sich ausruhen könnte – es sei denn, man findet zur Ruhe in der Vorstellung des permanenten Überganges, man akzeptiert, dass es hier nicht um „schöne Stellen“ geht, sondern um eine fortwährende Gratwanderung in unwegsamem Gelände, um eine Existenz „zwischen den Zuständen“. Stryi tanzt traumwandlerisch sicher zwischen den verschiedensten Klangebenen der Kontrabassklarinette und bleibt doch ganz gelassen und zentriert. Jedes merkwürdige Geräusch und jeder unerwartete Beiklang ist ihm willkommen, wird als gültig akzeptiert und weiterverarbeitet. So entsteht eine utopische Polyphonie von eigentlich unvereinbaren Klängen – das Instrument entwickelt gleichzeitig die Aura eines modernen „Superklangerzeugers“ und die Poesie einer alten, überforderten Maschine, die mit ihrem Ächzen und Prusten von der Vergänglichkeit kündet. In der Verbindung der ästhetischen Forderungen seiner beiden Inspirationswelten liegt Stryis Meisterschaft: er schafft es, die Differenziertheit der genau ausgehörten Klänge – die Ökonomie und Balance zwischen den musikalischen Elementen aus dem Vermächtnis der klassi­schen mitteleuropäischen Tradition – mit der Offenheit für den Moment und der heiteren Gelassenheit, Unerwartetes spontan in den eigenen Kosmos einzubauen – was aus dem Ideenfundus der improvisierten Musik stammt – in eins zu setzen. Nun ist dieses Dokument – durch Wolfgang Stryis viel zu frühen Tod im Februar 2005 – schon eine historische Aufnahme geworden, und es bleibt uns nur, den Impuls aufzunehmen und weiterzutragen – fröhlich und unerbittlich, gelassen und energiegeladen wie er.
Im Dezember 2005, Reinhard Karger

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